Ausgerechnet Wales per Fahrrad - Menschen Kultur und Kurioses

Ausgerechnet Wales – Die Waliser und mehr

Waliser erleben – mit Walisern leben

Waliser Wanderer geben uns Tipps
Waliser Wanderer geben uns Tipps

Die Waliser sind einfach großartig und Herz-erwärmend. Wir wurden oft angesprochen und interessiert ausgefragt über unsere Fahrrad-Route und Erlebnisse. Natürlich bekamen wir bei dieser Gelegenheit gute Tipps für Sehenswürdigkeiten, die wir keinesfalls verpassen dürften.

Eine von diesen typischen netten Begebenheiten fand vor einem Supermarkt statt. Ich (Ute) verschlinge gerade mit Heißhunger ein großes Stück Blätterteig-Pudding-Kuchen. Die einzelnen Schichten rutschen gefährlich auseinander und es kommt, wie es kommen muss: die Reste kleben mir überall im Gesicht herum. Ein älterer Herr beobachtet im Auto sitzend das Ganze – und reicht mir lachend ein Päckchen Feuchttücher aus dem Auto. So wurde meine „Schnute“ schnell wieder sauber. (Leider gibt es davon kein Foto.) Hätte ich damals gerade das Traditionsgebäck „Welsh Cakes“ gegessen, dann wäre ich wohl ohne Kleckern davon gekommen. Doch der ältere Herr hätte sich dann wohl nie so amüsiert (#WelshCakes).

Waliser Warmshowers – Fühlen wie zuhause

Wir sind regelrecht überwältigt von den zahlreichen Warmshowers-Gastgebern in Wales (#Warmshowers). Schon allein die zeitnahen Rückmeldungen auf unsere meist kurzfristigen Übernachtungs-Anfragen sind keine Selbstverständlichkeit, wie wir es auf früheren Reisen erfahren mussten. In Wales haben wir von jeder Anfrage auch eine Rückmeldung bekommen. Und das tolle daran – die meisten Gastgeber hatten tatsächlich gerade ein Bett für uns frei oder machten für uns das Unmögliche noch möglich.

Wales Warmshowers - Zelten bei Sue und Gez
Zelten bei Sue und Gez

Unsere ersten Warmshowers-Gastgeber Sue und Gez sind ein wunderbares Beispiel, wie unkompliziert Radreisende aufgenommen werden. Beide waren selbst gerade auf Reisen . Trotzdem durften wir während ihrer Abwesenheit in ihrem wunderschönen Garten zelten und alle Gerätschaften nutzen. Wir verständigten uns nur per Telefon. Auf diese Weise organisierten sie ebenfalls eine Park-Möglichkeit für unser Auto, welches dann 5 Wochen sicher auf uns warten konnte.

Wales Warmshowers - Abschied von Sue
Abschied von Sue

Persönlich lernten wir Sue und Gez erst am Ende unserer Reise kennen. In den letzten 2 Tage wurden wir von beiden liebevoll bekocht und haben interessante Dinge über ihre sozialen Projekte in Wales erfahren.

Wales Warmshowers - mit Sandra und Tom in einer Brauerei
Mit Sandra und Tom in einer Brauerei

Wie zwei nasse Pudel kamen wir am Haus von Sandra und Tom an. Doch dort wartete schon ein gemütliches Bett und leckeres Essen auf uns. Das war einfach eine große Wohltat nach einem sehr, sehr nassen Tag auf dem Taff Trail. Sandra und Tom sind selbst leidenschaftliche Radfahrer und haben uns durch ihre Erzählungen auf neue Radreise-Ideen gebracht. Ihnen haben wir auch die Einführung zu verdanken in die walisische Brauerei-Kunst von Cardiff.

Wales Warmshowers - Abschiedsrunde bei Tess
Abschiedsrunde bei Tess

Ein anderes außergewöhnliches Warmshower-Quartier bekamen wir bei Tess. Auf ihrer Farm stand eine original mongolische Jurte, die ein guter Freund mit Frau und Kind bewohnt.

 

Wales Warmshowers -Übernachtung in der Jurte
Übernachtung in der Jurte bei Tess

Da die Jurte jedoch gerade frei war, durften wir darinnen schlafen. Schlafen wie im Himmel!

Wales Warmshowers - in der Berghütte bei Jacinta
In der Berghütte bei Jacinta

Genauso traumhaft – und den Wolken ein Stück näher – war unser Warmshowers-Bett in der abgelegenen Berghütte von Jacinta. Unsere Gastgeberin arbeitet hier zusammen mit 5 weiteren Freunden in der Aufforstung und Pflege des Waldes. Sie produzieren fast alles selbst, was sie zum Leben benötigen, auch den elektrischen Strom. Der wird von einem Generator an einem nahen Wildbach erzeugt. Jacinta organisierte eine Möglichkeit, dass unsere schweren Packtaschen im Tal bleiben konnten. Dadurch sind uns viele Schweißperlen erspart geblieben. Die 1-stündige steile Anfahrt zur Berghütte war auch ohne viel Gepäck eine Herausforderung. Auch dafür sagen wir herzlichen Dank, liebe Jacinta!

Camping-Atmosphäre bei Regula

Echte Schweizer Spätzle – diese bereitete Regula extra frisch für uns zu. Die gebürtige Schweizerin hat es seit kurzem von Kanada nach Wales verschlagen. Sie und ihr Mann sind ebenfalls jahrelang durch die Welt geradelt und wissen Warmshowers zu schätzen. Deshalb haben sie sich gleich nach ihrem Umzug nach Burry Port wieder auf Warmshowers angemeldet, sodass wir sie finden konnten.

Wer fragt – gewinnt (neue Freunde)

Auch ohne die Hilfe der Warmshowers-Plattform haben wir unangekündigt die Möglichkeit gefunden, im Garten bei privaten Leuten unser Zelt aufzuschlagen. Oftmals führte ein Blick auf das Regen-Radar zur spontanen Entscheidung, beim nächsten Gehöft einfach danach zu fragen. Und dabei sind dann Geschichten wie die folgenden entstanden:

Spontane Übernachtung bei Claire
Spontane Übernachtung bei Claire

Die lustigste Begebenheit dabei war beim Haus von Claire. Sie öffnete die Tür und ehe wir noch ein Wort herausbrachten, da sprach sie es schon aus: „Ihr wollt hier zelten, stimmt’s?!“ Claire stellte uns gleich ihre Dusche zur Verfügung. Wenig später saßen wir in ihrem Wintergarten, genossen den Becher heißen Kaffee und den Ausblick auf den Bergrücken „Cader Idris“ im südlichen Sowdonia Nationalpark. Dabei lauschten wir Claire’s Geschichten über die Magie ihres schönen Tales nordöstlich von Tywyn (#CaderIdris ).

spontane Übernachtung bei Gill und David
spontane Übernachtung bei Gill und David

Eigentlich wollten wir nur nach Trinkwasser fragen, als wir ziemlich abgekämpft vom Berganstieg an der Haustür von Gill und David klopften. Die besorgte Hausfrau Gill fragte gleich nach, ob sie uns nicht zusätzlich helfen könne. So kam es, dass wir unseren Radfahrer-Tag eher als geplant beendeten. Kurz darauf hatten wir unser Zelt im Garten aufgeschlagen und bestaunten von dort den grandiosen Ausblick auf das Meer nördlich von Porthmadog. Es gab heißen Tee und Kaffee. David reaktivierte spontan eine alte Hintertür ins Haus, damit wir das Bad vom Garten aus benutzen konnten. Gill und David waren sehr beunruhigt, ob wir die nächste Nacht im Zelt sicher überstehen, denn ein großes Unwetter wurde ab 22 Uhr erwartet. Ihre Fürsorge waren einfach rührend. (Das Unwetter war übrigens pünktlich.)

Spontane Übernachtung - Abschied von Simon
Spontane Übernachtung – Abschied von Simon

Simon war unser Retter, der uns 2 Tage Dauerregen ersparte. Er kam gerade mit seinem Hund des Weges als wir dringend eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht hatten. Düstere Wolkenformationen zogen am Himmel auf. Auf dem einzigen Campingplatz weit und breit waren Zelte nicht zugelassen, nur Wohnmobile. Simon zögerte nicht lange und bot uns dann eine Zeltmöglichkeit auf seiner Farm an, wo er das alte Haus gerade ausbaut. Wir durften den kleinen Anbau mit Küche und Bad benutzen und waren so die nächsten 48 Stunden sicher vor den Regengüssen.
Für das Stück unberührten Regenwald zu Füßen von Simons Farm waren das beste Bedingungen. Das regenreichste Dorf von ganz Wales soll sich ebenfalls ganz in der Nähe befinden, hier im Nordteil des Snowdonia Nationalparks. Man sagt, dort regnet es 365 Tage im Jahr. Ob es tatsächlich stimmt wissen wir nicht, aber nach unseren Erlebnissen können wir es uns lebhaft vorstellen.

Wir glauben, es gibt noch viel mehr hilfsbereite Waliser wie Claire, Gill, David oder Simon und überall im Land. Überzeugt euch selbst!

Waliser Kultur und Geschichte

Welsh – eine ganz besondere Sprache

Welsh -Sprach-Kostproben für Ortsnamen
Welsh -Sprach-Kostproben für Ortsnamen

Die walisische Sprache hat aber auch gar nichts gemein mit dem Englischen. Das mussten wir bei unseren kläglichen Versuchen erkennen, wenn wir Ortsnamen wie „Eglwyswrw“ oder „Llanelli“ versuchten auszusprechen. Selbst für Waliser in den Englisch-sprechenden Teilen von Wales war es oft unklar, wie bestimmte Namen korrekt auszusprechen sind. Unsere „walisischen Sprachübungen“ brachten die Leute jedenfalls reichlich zum Lachen. (#Waliser Identität)

Warmshowers – Frühstück mit Eilians Familie

Durch den Aufenthalt bei den Warmshowers-Gastgebern Eilian & Familie wissen wir, dass die Sprache „Welsh“ sehr gepflegt wird. Jährlich findet ein 8-tägiges National-Festival der Waliser Literatur, Musik und des Tanzes statt, das „National Eisteddfod of Wales„. Es ist ein Highlight für jeden Waliser. 8 Tage lang wird dort ausschließlich ihre Sprache gesprochen und alte Traditionen gepflegt. Mehr als 6.000 Waliser nehmen an den zahlreichen Wettbewerben teil. Das Fernsehen überträgt den ganzen Tag die gesamten Veranstaltungen für alle diejenigen, die leider nicht live dabei sein können. Dieses Festival war am Tag unserer Ankunft aktuell im Gange und Eilian kam von dort gerade zurück von einem Chor-Auftritt. Ihre Tochter hatte schon mehrfach beim Dichter-Wettbewerb gewonnen. Die Siegestrophäen – stattliche Holzsessel – standen im Haus.

Eine sehr traurige Geschichte

Das Unglück von Aberfan - Infotafel
Das Unglück von Aberfan – Infotafel

Während einer Regenpause in einer Scheune in Aberfan hat uns der Besitzer eine traurige Geschichte erzählt: das „Desaster von Aberfan“. Am 21.10.1966 rutschte eine gewaltige Lawine von einer Kohlenhalde ab und begrub eine nahe gelegene Grundschule unter sich. Unter den 144 Opfern waren allein 116 Schulkinder, mehr als die Hälfte aller Schüler dieser Schule. Fast jede Familie der Bergarbeiter-Ortschaft Averfan hatte ein Kind verloren. Der Mann betrauerte den Tod seines besten Freundes.
Besonders tragisch ist, dass dieses Unglück am letzten Schultag vor den Herbstferien passierte. Nur einen Tag später – und die 116 Schulkinder, 5 Lehrer und restlichen Opfer hätten wahrscheinlich noch leben können. (#KatastropheAberfan)

 

Kurioses in Wales

 

Waliser sind ganz schöne „Hunde-Narren“. Sie haben sogar spezielles Eis für ihre Vierbeiner.
Fahrraddiebe soll es auch in Wales geben. Dieses Fahrrad ist jedenfalls sicher abgestellt.
In Wales können Läufer auch gegen den historischen alten Zug mit einer Dampflok um die Wette rennen (#RaceTheTrain).

Mehr zu unserer Fahrradtour durch Wales findest du auf #Ausgerechnet Wales per Fahrrad

 

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