sustrans Fernradwege - Ausgerechnet Wales per Fahrrad - Feature

Ausgerechnet Wales – sustrans Fernradwege

sustrans Fernradwege – ein dichtes Netz in GB

Die sustrans Fernradwege waren unser „Schlüssel“ zu einer traumhaften individuelle Fahrradreisende durch Wales. (#sustrans National Cycle Network Map). Das „National Cycle Network“ besteht aus etwa 26.000 km Radwegen in ganz Großbritannien für Tagestouren, Kurz- und Fernreisen. Da findet jeder Radfahrer seine perfekte Tour. (#sustrans Startseite).
Mehr als die Hälfte der genutzten Radwege auf unserer Rundtour durch Wales waren asphaltiert und in einem top Zustand. Doch auch die nicht-asphaltierten Abschnitte waren ebenfalls gut präpariert. Die einzelnen Streckenabschnitte und ihre Highlights haben wir detailliert weiter unten beschrieben.

Orientierung

Die Beschilderung der einzelnen sustrans Fernradwege war excellent. Das erleichterte uns die schnelle Orientierung und bewahrte uns vor ungewollten Irrfahrten.

Beruhigt durch die Städte

Die Planer der sustrans Fernradwege haben einfach mal mitgedacht, wie man Radfahrer sicher durch die Städte leitet. Zickzack-förmige Streckenführungen entpuppten sich bei der Fahrt als ruhige und interessante Umfahrungen der belebten Verkehrsknotenpunkte.
Auch solche „Kleinigkeiten“ wie abgesenkte Bordsteinkanten an Kreuzungen zwischen den Radwegen und Straßen möchten wir hier erwähnen. Die sind nämlich für Radfahrer und Material unheimlich angenehm.

Sicher über Land

Nahezu die gesamte Tour unserer 1.300 km langen Rundreise führte über autofreie Radwege, ganz wenig befahrene Dorf- und Landstraßen bzw. auf separaten Radspuren neben stärker befahrenen Straßen. Es gab nur 2 kurze Streckenabschnitte von jeweils 15 km ( zwischen Aberystwyth und Machynlleth, zwischen Builth Wells und Llyswen), wo wir eine gut befahrene Bundesstraße mit dem normalen Autoverkehr „teilen“ mussten. Wir fühlten uns als Radfahrer überall sicher, zumal das Verkehrsaufkommen im Wales recht überschaubar ist.

Cardigan – im Stau

An dieser Stelle möchten wir ein dickes Lob den Auto-, LKW-und Busfahrer in Wales aussprechen. So viel Rücksichtnahme gegenüber Radfahrern haben wir woanders noch nicht erlebt. Oft genug zuckelten Autos in respektvollem Abstand geduldig hinter uns her, während wir auf den typisch engen Überland-Straßen berghoch strampelten. Beim Überholen gab es dann noch den anerkennenden „Daumen hoch“. LKW’s stoppten für uns selbst an Anstiegen, obwohl sie Vorfahrt hatten. Kein aggressives „Schneiden“ oder Überholen, kein nerviges Hupen.

Hoch und Runter im Dauermodus

Ob Stadt oder Land, in Wales ist das Radfahren eigentlich eine entspannte Sache … bis auf die „Kleinigkeit“ mit dem „Hoch & Runter“ 😉 . An den meisten Tagen wollte diese „Achterbahn-Fahrt“ gar nicht enden. Auch wenn Wales keine spektakulären Berge hat wie die Alpen, so kommen durch die vielen Hügel reichlich Höhenmeter zusammen. Am Ende sind wir ganze 15.587 Meter nur nach oben gestrampelt.

Unsere Tour über sustrans Fernradwege durch Wales im Detail

Route 82 -Waldstück bei Lampeter
Route 82 -Waldstück bei Lampeter

Wir wollten mit dem Fahrrad in jede Ecke von Wales hineinschnuppern und hatten dazu 5 Wochen Zeit. Wie immer kam es uns dabei nicht auf Streckenrekorde an. Viele Gebiete von Wales sind so verträumt, dass wir gerne etwas länger verweilen wollten.
Am Ende hatten wir mit unseren Rädern diesen interessanten 1.300 km-langen Rundkurs vollzogen:

Die Nationalroute 8 , den Fernradweg „Lon Las Cymru Trail“, haben wir dabei am meisten genutzt. Kein Wunder, denn er führt auf einer Länge von ca. 600 km einmal diagonal durch die unterschiedlichsten Landschaftsformen, die Wales so zu bieten hat.

Das sind die Streckenabschnitte im Einzelnen:

  • Bronllys – Cardiff : der Taff Trail auf der sustrans-Nationalroute 8
  • Cardiff – Bridgend : die südliche sustrans-Küstenroute 88
  • Bridgeend – Fishguard : die sustrans-Nationalroute 4 mit dem Celtic Trail
  • Fishguard – Barmouth : sustrans-Route 82 nordwärts mit Ystwyth Trail
  • Barmouth – Bangor : die sustrans-Nationalroute 8 im Nordwesten von Wales
  • Bangor – Conwy : die sustrans-Nationalroute 5 an der Nordküste von Wales
  • Conwy – Tafarn-helyg : regionale Radwege
  • Tafarn-helyg – Dolgellau : die sustrans-Route 82 südwärts
  • Dolgellau – Bronllys : die sustrans-Nationalroute 8 südwärts ( „Lon Las Cymru Trail“ )

Taff Trail (Nationalroute 8)

Die ersten 5km des „Taff Trail“ sind sehr gemütlich. Es geht entlang eines Kanals für die „Narrow boats“, die eigentlich für England typisch sind. Hinter dem Stausee „Talybont Reservoir“ beginnt der Aufstieg auf den 414m hohen Pass im Brecon Beacons Nationalpark. Der Radweg folgt hier einer ehemaligen Eisenbahn-Trasse. Das bedeutet stets eine angenehme Steigung von maximal 5%. Der Untergrund ist zwar nicht asphaltiert, jedoch ist der Schotter gut verfestigt und damit auch ohne Mountain Bikes gut zu fahren. Die Weitblicke sind einfach herrlich, da keine Hecken die Sicht versperren. Nach dem Pass geht es die letzten 60 km bis Cardiff fast nur noch bergab. Großartig!
Fast die gesamte Strecke des „Taff Trail“ führt über separate, ruhige Radwege in die Hauptstadt von Wales.

Die Küstenroute 88

Die Küstenroute 88 ist wie ein Schleichweg aus der Hauptstadt Cardiff Richtung Flughafen und weiter Richtung Westen. Leider führt diese Route nur in wenigen Abschnitten direkt am Meer entlang, jedoch durch ruhige Siedlungen und Kleinstädte.

Die Nationalroute 4 (Celtic Trail West)

Route 4 - Margam Castle
Margam Castle

Die Nationalroute 4 ist zwischen Tondu und Swansea nicht sonderlich beschaulich. Der Radweg verläuft oft neben der Bundesstraße. Große Industrieanlagen sind von weitem zu sehen. Kurioserweise befindet sich mitten in dieser Landschaft ein Schloss wie aus einem Märchenbuch – das Margam Castle. Mit einem kleinen Schlenker von der Route 4 kommt man durch den weiträumigen Landschaftspark genau am Schloss vorbei.

Ab Loughor wird die Aussicht wieder besser. Die Flussmündung des River Loughor schneidet sich weit ins Hinterland ein. Ebbe und Flut haben hier typische flache Seen und Lagunen gebildet. Ein prima flaches Gelände. Der „Millennium Coastal Park“ mit einem herrlichen sustrans Radweg von etwa 7 km Länge ist hier Teil der Route 4.

Die Halbinsel Pembrokeshire ist eine wunderbare Station auf der Route 4. Hier beginnt zum einen der Fernwanderweg „West Coast Path“ direkt an der Küstenlinie. Das ist eine gute Gelegenheit, das Fahrrad für einen Tag in die Ecke zu stellen und dem schmalen Pfad direkt an der Steilküste zu folgen. Zum zweiten gibt es in der Stadt St. Davids den imposanten Bischofs-Palast zu bestaunen. Dieser Palast hat dem 1.800-Seelen Ort zu Stadtrecht verholfen, denn ein Bischofs-Sitz kann nur in einer Stadt sein.

Von St. Davids nach Fishguard wird man auf der Route 4 ständig mit wunderschönen Ausblicken auf das weite Meer verwöhnt.

Die Route 82 durch Westwales ( Ystwyth Trail)

Wales und die Anstiege
Wales und die Anstiege

Zwischen Fishguard und Tregaron geht es reichlich hoch und runter. Aus Erfahrung können wir sagen, dass einige Steigungen von mindesten 20% dabei waren. Mit Schildern für die Prozent-Angaben ist man in Wales allerdings sehr sparsam.

Wales - Steinkreuz auf einem Friedhof
Keltisches Runenkreuz auf einem Friedhof


Die Route führt nun ins Hinterland durch verschlafen anmutende Ortschaften hindurch. Die Gärten und Friedhöfe der Dorfkirchen haben oft etwas Verwunschenes an sich.

Hinter Tregaron folgt der sustrans Fernradweg 82 einer ehemaligen Eisenbahntrasse auf dem Weg nach Aberysthwyth – dem Ystwyth Trail. Wo bis 1965 noch Dampfloks Kohle transportierten, ist heute ein großes Vogelschutzgebiet und weitläufige Weidenflächen.

Route 82 - nahe Cregennan Lakes
Route 82 – nahe Cregennan Lakes

Der Abschnitt von Tywyn nach Barmouth zählt zu den schönsten der ganzen Tour. Es geht hinein in den südlichen Teil des Snowdonia Nationalparks. Hier führt der Radweg 82 zuerst durch ein Tal, das auch die Einwohner als „magisch“ bezeichnen. Der sich anschließende Aufstieg von 320m auf einen Sattel ist eine mühselige Angelegenheit, da hinter Bryncrug der Asphalt für etwa 15 km in einen steinigen und holprigen Parcours übergeht. Das ist eine der wenigen Ausnahmen auf diesem gut präparierten Fernradweg. Bei der Rüttelei dort hatten wir mal wieder kurzzeitig über den Wechsel auf Mountain Bikes nachgedacht. Doch unsere ziemlich beladenen Touren-Räder haben diese Belastungsprobe gut überstanden; die Speichen und Schläuche haben durchgehalten.

sustrans Fernradwege - Route 82 - malerische Cregennan Lakes
Route 82 – malerische Cregennan Lakes

Der „Wow-Effekt“ beim Ausblick hinter dem Pass entlohnte für die Plage voll und ganz.

 

Der Lon Las Cymru Trail (Nationalroute 8) nach Norden

Route 8 - Barmouth Mündung
Meeresmündung des Mawddach bei Barmouth

 

In Barmouth kommt man nun wieder auf den „Lon Las Cymru“ zurück. Als Radfahrer hatten wir gegenüber motorisieren Fahrzeugen den großen Vorteil, die Eisenbahnbrücke über die große Meeres-Mündung des Flusses Mawddach nutzen zu können. Das sparte mindestens 20 km Umweg.

 

Die steile Passquerung innerhalb des Snowdonia Nationalparkes zwischen Llanfair und Porthmadog ist einfach wunderschön. Natursteinmauern bilden interessante Patchwork-Muster in der Berglandschaft. Der Weitblick ist phänomenal.

Die erste Hälfte der Strecke zwischen Porthmadog und Caernarfon geht es über Weideland und durch kleine Dörfer munter hoch und runter.

Caernarfon Castle Ausblick
Caernarfon Castle Ausblick

Dafür kann man sich die letzten ca. 15 km mühelos in die Küstenstadt Caernarfon direkt auf die alte Burg rollen lassen.

Die Nationalroute 5 an der Nordküste von Wales

Dieser Abschnitt verläuft von Bangor nach Conwy, einem recht besiedelten Gebiet. Interessant ist hier die Streckenführung des sustrans Fernradweges 5 an der Steilküste, der sich neben, über und unter der Autobahn vorbei windet. Erst hinter Penmaenmawr, also kurz vor Conwy, wird die Strecke wieder landschaftlich schöner.

Regionale Radwege von Conwy nach Tafarn-helyg

Typische Steinbrücke in Wales
Typische Steinbrücke in Llanrwst

Von der Stadt Conwy folgten wir über ruhige Hinterlandstraßen, Farm- und Waldwege dem Lauf des Flusses Conwy nach Llanrwst. Auf der anderen Fluss-Seite sahen wir schon die Höhenlinien des Snowdonia-Nationalparkes. Die Beschilderung in diesem Teil war leider nur sehr dürftig, sodass wir an jeder Kreuzung lieber unser Navi befragten.

Hochebene im Gwydir Forest Park (Snowdonia Nationalpark)
Hochebene im Gwydir Forest Park (Snowdonia Nationalpark)

Über den Gwydir Forest Park haben wir dann den Snowdonia Nationalpark Richtung Westen gequert. Dabei tat sich eine riesige menschenleere Hochebene vor uns auf, die wir gar nicht in Europa erwartet hätten. Allerdings hatten wir auch die Kampfjets nicht erwartet, die hier regelmäßig und laut hörbar ihre Tiefflug-Übungen veranstalten.

Route 82 - ehemaliges Kernkraftwerk Magnox im Snowdonia NP
ehemaliges Kernkraftwerk Magnox im Snowdonia NP

Das mittlerweile stillgelegte Kraftwerk Magnox am Stausee Trawsfynydd wirkte ebenfalls weltfremd. Ein Kernkraftwerk in einem Nationalpark zu bauen ist ganz schön schräg, oder? Der vollständige Rückbau soll übrigens im Jahr 2100 abgeschlossen sein.
Jetzt waren wir zurück gekehrt auf den sustrans Fernradweg 82 und damit auf eine gut ausgeschilderte Streckenführung.

Der Lon Las Cymru Trail (Nationalroute 8) nach Süden

Route 8 - höchst gelegene Sustrans-Strecke nach Llanidloes
Route 8 – höchst gelegene Sustrans-Strecke nach Llanidloes

In Dolgellau trafen wir wieder auf die Nationalroute 8, den Lon Las Cymru. Hier erwartete uns gleich ein kräftiger Anstieg von Meereshöhe auf 420m. Danach verließen wir das Gebiet des Snowdonia Nationalparkes und kamen zurück auf Meereshöhe. 10 km hinter Machynlleth folgte der nächste große Anstieg auf nun 520m. Doch dieser war deutlich steiler und länger. Wir brauchten für diesen höchst-gelegenen sustrans-Abschnitt in Wales etwa zwei Stunden, machten viele Pausen zum Verschnaufen und genossen tolle Ausblicke über die einsamen Bergformationen. Die lange Abfahrt bis nach Llanidloes machte echt Laune.

Route 8 – hinter Llanidloes

Ab Llanidloes windet sich die 8 am Rand der Berghänge auf einem einsamen asphaltierten Weg hindurch. In manchen Abschnitten fühlt man sich wie im Neuseeländischen Regenwald. Es ging recht Kräfte-zehrend hoch und runter. Mittendrin überraschte ein etwa 5 km langer steiniger Abschnitt mit der Empfehlung, auf die Bundesstraße A479 auszuweichen. Tut das nicht, sondern bleibt so wie wir ruhig auf dem Radweg!

Route 8 – auf der Fernstraße hinter Builth Wells

Ab Builth Wells führt dann die 8 tatsächlich direkt auf einer Bundesstraße weiter. Diese letzten 15 km waren dann unser „Ausrollen“ bis an den Endpunkt unserer Tour in Bronllys.

Damit schloss sich der Kreis über sustrans Fernradwege durch Wales für uns. Mehr zu unserer Fahrradtour durch Wales findest du auf # Ausgerechnet Wales per Fahrrad

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