Camping nach Plan B

Camping nach Plan B 14


Camping nach Plan B

Camping nach Plan B – passiert bei unserem ersten Tag auf malaysischem Festland.

Wir ließen uns ziemlich Zeit, nachdem wir mit der Fähre von der touristischen Insel #Langkawi auf das Festland von #Malaysia übergesetzt hatten. Die vielen Reisfelder südlich von Alor Setar zogen uns in den Bann. Für uns war es das erste Mal zu sehen, wo und wie der Reis wächst. Die Arbeit den Feldern scheint sehr mühselig zu sein.

Reisbauer bei Schädlingsbekämpfung

Reisbauer bei Schädlingsbekämpfung

Ein Reisbauer darf keine Aversion gegen tiefen Modder haben.

Ein Fall für Plan B

Reisbauer bei einer Reparatur

Wir fanden wunderschöne ruhige Wege auf den Deichkronen zwischen den einzelnen Äckern – fernab von großen Straßen. Die Warane, die wir gelegentlich aufschreckten, fanden diese feuchte grüne Landschaft ebenfalls ganz herrlich.

Ein Fall für Plan B

Waran am Wegesrand

So verrann der Nachmittag in der ruhigen ländlichen Gegend sehr schnell. Wir hatten nur nicht erwartet, dass diese Gegend überhaupt nicht auf Besucher eingestellt ist. Wir kamen zwar durch mehrere Ortschaften hindurch, jedoch war in keiner davon ein Gasthaus, Hotel oder dergleichen.

Ein Fall für Plan B

Ruhige Wege an Reisfeldern

Sogar 30 km hinter #Alor Setar riet man uns, für eine Übernachtung wieder zurück zu fahren.

Wir entschieden uns für eine andere Variante – die Fernverkehrsstraße K1. Irgendwo muss doch eine Unterkunft sein – das war zumindest unsere Hoffnung. Die Sonne sank immer tiefer und ein bedrohliches Grummeln um uns herum begann.

bedrohlicher Himmel über den Feldern

Bedrohlicher Himmel über den Reisfeldern

Viele Kilometer weiter, kurz vor Yan, radelten wir an einer kleinen Autowerkstatt vorbei. An dem angrenzenden Anbau war an der Gebäudewand ein Hinweisschild mit dem Titel „Homestay“ und einer Telefonnummer angebracht. Sollten wir doch noch rechtzeitig vor dem Gewitter ein Dach über dem Kopf finden? Die Lage der Übernachtung war ja nicht gerade exklusiv auf diesem Autohof. Also erwarteten wir einen bezahlbaren Preis. Wir baten einen Arbeiter aus der Autowerkstatt für uns anzurufen, falls der Vermieter kein Englisch versteht. Kurz darauf kam eine ganze Familie auf den Hof vorgefahren. Das „Homestay“ war noch frei. Allerdings sollte es soviel wie 3 übliche Übernachtungen kosten. Hey – das war hier kein Palast!

Ein Fall für Plan B

Ein zu teures Homestay

Egal, dass es nun völlig dunkel war, der Donner immer näher kam und die ersten Tropfen einsetzten. Dieses „Angebot“ konnte man nur ablehnen. Wir lenkten unsere Fahrräder zurück auf die Fernverkehrsstraße.




Kaum 2 Kilometer weiter schlug plötzlich ein so gewaltiger Blitz neben uns ein, dass uns die Knie zitterten. Und genau in diesem Moment schickte uns unser Schutzengel ein kleines Straßenrestaurant, wo wir Schutz suchen konnten. Der Betreiber und seine Familie waren ebenfalls durch diesen gewaltigen Donnerschlag unter das schützende Dach geflohen. Um uns herum krachte es in einem fort. Dann wurden die Schleusenen geöffnet und es goss und goss…

Wenn man schon warten muss, dann kann man das mit nützlichen Dingen verbinden, zum Beispiel mit Essen. Gesagt, getan. Der Restaurant-Betreiber brutzelte uns eine leckere Mahlzeit. Dummerweise macht ein voller Bauch so müde. Es war ja auch schon gegen 21:00 Uhr. Aus einem Augenwinkel hatten wir bemerkt, dass in der benachbarten Garage hinter dem parkenden Auto noch ein kleines Fleckchen Platz war, groß genug für unser kleines Zelt. Wir fassten uns ein Herz und fragten einfach, ob wir in der Garage schlafen durften. Zuerst muss uns der nette Restaurant-Besitzer nicht richtig verstanden und vermutet haben, dass wir in seinem Häuschen schlafen wollten. Zum Glück klärte sich das Missverständnis schnell auf, er war einverstanden und wir sehr erleichtert über diese Lösung.

Ein Fall für Plan B

Camping in der Garage

Eddy hat dann das Zelt auf dem verdichteten Schotterboden ganz ohne Heringe nach allen Regeln der Ingenieurs-Kunst aufgebaut.

Ein Fall für Plan B

Zeltbefestigung auf Schotter

So sind wir einer Sintflut entgangen, die bis zum Morgen anhielt. Camping in der Garage war ein guter „Plan B“ gewesen.

Bewegte Bilder sagen mehr als 1000 Worte… Viel Spaß beim Anschauen!

Nun waren wir das Gesprächsthema aller Gäste des Restaurants.  Camping in einer Garage war hier bisher unbekannt. Wir waren unseren Gastgebern jedenfalls sehr dankbar, dass sie uns diesen Unterschlupf gewährt haben, inklusive einem Duschhäuschen gleich hinter der Garage. Perfekt!

Unsere Gastgeberinnen

Unsere Gastgeberinnen

Ein Fall für Plan B

Garage mit rosa Duschhäuschen

Übrigens werden hier ganz raffinierte Eierkuchen in Gitternetz-Form gebacken…

Ein Fall für Plan B

Gitternetz-Eierkuchen





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14 Gedanken zu “Camping nach Plan B

  • Chrischan

    Achja, Malaysia ist schon toll! Passt bloß mit der Sonne auf: ehe man sich versieht ist man knallrot und verbrannt (eigene Erfahrung)
    Viele Grüße von Chrischan

    • Thomas & Andrea

      Hallo, Ihr Weltenbummler!

      Wir verfolgen Eure Tour sehr aufmerksam…. Ihr seid echt crazy!!! Ich muss zugeben, mir wäre das zu abenteuerlich und bin deshalb voller Bewunderung, wie Ihr mit Eurem Drahtesel und dem ganzen Gepäck alle unvorhersehbaren Geschehnisse mit guter Laune und Humor meistert. Reisfelder kannte ich als Endverbraucher bis dato auch noch nicht :-). Danke für die schönen Berichte. Wir wünschen Euch weiterhin gute, unfall- und pannenfreie Fahrt mit schönen Begegnungen!!

      ‚Salam Mesra‘ nach Malaysia!
      Thomas & Andrea

      • Ute Autor des Beitrags

        Wenn die Strecke dauernd bergauf geht, kann die Laune auch schon mal bergab gehen. Das haben wir gestern auf unserer Facebook-Seite per Video mal festgehalten. Zum Glück ist in unserem Wasser allerhand Zaubermittel drin, z.b. In Scheibchen geschnittene Wurzeln der Lackritz-Pflanze – eine Empfehlung eines geheimnisvollen chinesischen Medizinmannes, um uns wieder aufzuheitern. Anscheinend wirkt das Mittel sehr gut 🙂 🙂
        Selamat tinggal nach Berlin

    • Ute Autor des Beitrags

      Danke für die Warnung. Zum Glück setzt bei uns die Schwitzwasserkühlung gleich ein, wenn die Sonne nur um die Ecke schaut…

  • Hanna und Werner

    Liebe Kinder,
    nun sind wir aber froh, dass Ihr den Plan B realisieren konntet. Nur ein technisch begabter Mann kann ein Zelt ohne Heringe in einer Garage aufstellen.
    Ihr hattet erst einmal eine sichere Unterkunft.

    Hoffentlich haben die Eierkuchen auch so lecker geschmeckt.

    Gruß Mama und Papa

    • Ute Autor des Beitrags

      Die Eierkuchen haben so interessant geschmeckt wie Gurkenscheiben, die mit einem Gitternetz-Gurkenraspler geschnippelt wurden. Dazu gab es scharfe Soße mit Hühnerfleischstückchen. 50% unserer 2-Mann-Truppe konnte die Soße auch essen…

  • Gertrud

    Spannende Geschichte mit einem guten Ende. Da muss ich Euren Eltern recht geben, dass nur ein technisch begabter Mann ein Zelt ohne Heringe aufbauen kann. Ich kann nur staunen. Alle Achtung, lieber Eddy. . Weiterhin gute Fahrt und hilfreiche Menschen und liebe Grüße aus Kreuzberg.

    • Eddy

      Ja, da hat unser Schutzengel wieder mal ganze Arbeit geleistet.
      Danke für die Blumen, aber wenn man ein Dach über dem Kopf braucht, wird man ganz schnell erfinderisch.
      Liebe Grüße aus (heute) Seri Iskandar.

  • Thomas

    Hallo ihr zwei,

    deine (Utes) ehemaligen (vielleicht auch wieder zukünftigen) Kollegen verfolgen eure Beiträge mit viel Interesse.
    Das ihr trotz später Stunde, akuter Gewittergefahr und seit mehreren Kilometern ohne Aussicht auf eine Unterkunft das zu teure „Homestay“ ausgeschlagen habt, beschreibt eure Abenteuerlust wieder einmal ganz gut.

    Viele Grüße von Thomas

    • Ute Autor des Beitrags

      Manchmal sind die Hotelunterkünfte noch viel abenteuerlicher. In einer haben wir 3 Tage lang mit mindestens 4 großen Schaben gewohnt. Als wir auszogen, waren es nur noch 2. Die beiden Überlebenden hatten unter unserem Bett ihr zuhause und kamen immer mal hervor, wenn sie dachten, es wäre freie Bahn. Dann tauchte erst der eine Fühler auf, dann der andere und dann der Rest. Wenn sie aber merkten, wie wir sie von oben (von der Bettkante) beobachteten, waren sie schwubs wieder in ihrem Loch verschwunden. Wenn das kein richtiges Abenteuer ist!

  • Petra und Thomas

    Hallo Weltenbummler!
    Wir waren sehr erfreut über Euer Telefonat bei welchem Ihr ja schon vom Zeltbau berichtet habt. Hoffentlich müßt Ihr das auf Eurer weiteren Reise nicht so oft praktizieren. Ein schönes Bett in den Hotels ist bestimmt weicher als Schotterboden,oder müßt Ihr da auch den Schlafsack bemühen? Petra grußelt sich ja immer in ausländischen Betten. Was Ihr vom Essen berichtet klingt auch interresant,Hauptsache man verträgt alles ohne flotte Lotte. Was macht der Reisbauer da eigentlich mit dem fahrenden Diesel? Umgraben auf Malayisch? Die letzten Tage gibts in Deutschland auch so eine Art Monsunregen mit Örtlichen Katastrophen. Wir hoffen Ihr kommt gut durch die Regenzeit und bleibt vor allem gesund.
    In diese Sinn viel Glück von Petra und Thomas aus der knackig warmen Lindenhütte!!!!!!!!!!

    • Ute Autor des Beitrags

      Unsere Mägen vertragen bisher alles, was wir in sie hineinschütten. Toi toi toi. Dabei haben auch schon so manches Tabu gebrochen und z.B. unterwegs nicht abgewaschenes Obst gegessen oder oft keine Möglichkeit zum Händewaschen beim Essen gehabt. Vielleicht ist unser Imunsystem jetzt auf höhere Alarmbereitschaft umgestellt.
      Unseren Doppelschlafsack #CocoonTravelSheet Double Silk müssen wir nicht nur beim Zelten bemühen sondern auch in manchen Hotelzimmern. Ein kurzer Blick auf die Bettwäsche genügt, ob wir ihn rausholen oder nicht. Er ist überhaupt ein Hightech-Teil und wiegt nur 300g.
      Bei der Frage nach dem landwirtschaftlichen Gerät merkt man gleich den KFZ-Fachmann durch. Diese Maschinen haben wir an vielen Stellen gesehen. Sie sind mit ihrem Schaufelrad sicher genau für den tiefen, schweren Schlamm ausgelegt. Die Wendemanöver damit sahen übrigens spektakulär aus, weil sich der Reisbauer dazu weit heraus lehnen musste, um die Kurve zu bekommen. Wie auf einer Segelyacht. Wir haben aber eine ältere Reisbäuerin gesehen, die wirklich den Schlamm per Hand umgewuchtet hat. Da haben wir uns nur nicht getraut, sie bei der Schinderei zu fotografieren.
      Mit dem Wetter ist es ja kurios. Da habt ihr das gleiche wie wir. Wir verpassen wohl im Moment nix zu Hause… außer euren leckeren Kesselgulasch!