Bye bye Texas – Hi Oklahoma

Fahrradreise durch die USA – TX & OK

Nach drei Wochen auf unseren Fahrradsätteln liegen die ersten beiden Bundesstaaten fast hinter uns – Texas und Oklahoma. Nur noch eine kurze Tagestour trennt uns noch vom nächsten US-Staat, nämlich Arkansas.

Ein bisschen Abenteuer-Luft haben wir schon allein durch die Größe dieser Länder und ihre dünne Besiedlung außerhalb der Städte verspürt. Mitten im endlosen Weideland stecken zu bleiben ist genauso aufregend wie im australischen Busch, zumal es in Oklahoma auch viel Wald, Morast und Dickicht gibt, in dem man sich verlaufen könnte.

Durch Texas von Austin nach Sherman

Unsere Fahrradreise durch die USA begann gleich im größten Bundesstaat. Mit dem Start in Austin und der Route nach Norden haben wir wohl eine Radfahrer-freundliche Ecke von Texas erwischt.

Größtenteils flaches Farmland, viel Grün, ruhige Landstraßen, fern von Highways. Keine Wüste oder hohe Berge. Hier konnten unsere Blicke weit und ungehindert in die Ferne schweifen, ohne durch Massen von Windrädern verschandelt zu werden, wie wir es leider zuhause in Brandenburg oft erleben. Einfach nur Natur bis zum Horizont.

Besonders auffällig war der große Bau-Boom von neuen Einfamilienhaus-Siedlungen “auf der grünen Wiese”. Viele waren so abgelegen im Nirgendwo, dass wir uns fragten, wer dort überhaupt wohnen will. Irgendwo mussten die Menschen ja auch arbeiten. Außer den angelegten Straßen fehlte jegliche Infrastruktur. Dafür ähnelten viele Gebäude riesigen Villen mit Preisen zwischen $1.5 Mio und $3 Mio laut Werbeschild.

Warmshowers in Texas und Oklahoma

Natürlich ist Warmshowers – die Form der privaten Beherbergung von Fahrradfreunden für Radreisende – auch in den USA vertreten. In Texas und Oklahoma wohnen sie allerdings meist in der Nähe von Ballungszentren. In Oklahoma konnten wir diese Form der Gastfreundschaft leider nicht nutzen. In Texas hatten wir jedoch Glück, dass eine Warmshowers-Familie auf unserer Route lag und uns für zwei sehr bewegende Tage in ihr Haus aufnahm. Warmshowers können wir jedem Radreisenden einfach nur ans Herz legen.


Radwege in Texas

Richtige separate Radwege haben wir nur im Speckgürtel großer Städte erlebt, wie z.B. der “Green Belt” im Nordosten von Dallas. Diese waren super präpariert und verliefen ganz urwüchsig durch weitläufige Parkgelände.


Den längsten Radweg von Texas, den “North East Texas Trail” mit einer Länge von 220 km mussten wir leider auslassen. Er verläuft auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse, ist nur die ersten paar Kilometer asphaltiert und hat ansonsten steinigen oder klebrigen Lehmboden als Untergrund. Nach Regenfällen ist er dann für schwerbeladene Tourenräder kaum passierbar.

Da es am Vortag solche Gewitter gegeben hatte, folgten wir lieber dem Rat von unseren ortskundigen Warmshowers-Gastgebern und wählten eine andere Route nach Norden. Deshalb kamen wir überhaupt nach Oklahoma.

Durch Oklahoma vom Lake Texoma nach Poteau

Unser erster Kilometer auf dem Boden von Oklahoma verlief auf der Staumauer des Texoma Stausees und kündigte uns an, dass es hier viel Wasser gibt.

Überall auf den großen Weiden hatten sich Seen gebildet, die das liebe Vieh und Wildtiere gerne zum Baden verwendeten. Unzählige Gräben durchzogen das Land, um das Wasser von den Wegen fernzuhalten.

Auf manchen Strecken kamen wir uns wie im Regenwald vor. Die Natur wirkte hier noch unberührter als im exakt strukturierten Texas.

Riesige Villen und Einfamilienhaus-Siedlungen sahen wir fast gar nicht mehr, stattdessen oft schlichte Baracken oder Wohnwagen als Behausungen. Der Lebensstandard erschien uns hier wesentlich niedriger als im südlichen Nachbarstaat.

Wir waren auf der Suche nach irgendwelchen Anzeichen dafür, dass wir durch Indianer-Land radelten, und zwar das der Choctaw Nation. Entdeckt haben wir jedoch nichts dergleichen.

Autos und Fahrräder nebeneinander

Wir hatten schon viele gute und einige sehr schlechte Erfahrungen in der Welt gemacht, was die Rücksicht der Auto- und LKW-Fahrer gegenüber Radfahrern angeht. In Texas und Oklahoma sind wir angenehm überrascht worden. Um uns herum wurde meist ein großer Bogen gefahren, die Geschwindigkeit verlangsamt oder gelassen gewartet, bis der Gegenverkehr das Überholen zuließ. Kein ungeduldiges Hupen, kein Quetschen an den Fahrbahnrand. Die Leute hier sind scheinbar entspannte Autofahrer, selbst auf den stark befahrenen Highways, auf denen wir doch ein paar Mal gelandet sind. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir hier als Radfahrer verrückte Sonderlinge auf der Fahrbahn sind und die Leute neugierig machen.

Farm Road oder Country Road in Texas

Obwohl es sich für uns logischer anhört, dass “Farm Roads” die kleineren von beiden sind, wissen wir es nun besser. Farm Roads sind die besseren, asphaltierten Landstraßen.

Bei den Country Roads weiß man nie, was man bekommt. Auch wenn sie als gute Landstraßen beginnen, können daraus Schotterwege oder moddrige Feldwege werden.

Nachdem wir einmal nach schweren Regenfällen in solch einer Lehm-Piste steckten und die Erinnerungen an unsere Salzsee-Querung in der Türkei wieder hochkam, wurden wir danach bei der Auswahl unserer Route schon vorsichtiger.

Weiße oder gelbe Straßen in Oklahoma

Die Unterteilung in Farm Roads und Country Roads haben wir in Oklahoma kaum vorgefunden. Dafür unterschied unser Navi bei den Straßen unterhalb der Kategorie Highway in gelbe und weiße Straßen. Wir haben gelernt, dass man den weißen Straßen nicht immer vertrauen kann, selbst wenn sie einen Namen oder eine Nummer haben. Aus Sorge, dass auf der nächst größeren Straßenkategorie zu viel Verkehr ist, hatten wir uns erst auf den kleinen Straßen durchgeschlagen. Da war dann meist Schotter angesagt – oder die Straße endete im Niemandsland und wir mussten viele Kilometer zurückfahren.

Auf den größeren Land- und Bundesstraßen hingegen konnten wir sicher radeln, denn meist gab es einen sehr breiten Randstreifen.

Selbstversorgung will geplant sein

Wenn wir den ganzen Tag die Highways oder größeren Landstraßen ausgelassen hatten, kamen wir dafür an keinem einzigen Laden, keiner Tankstelle oder ähnlichem vorbei. Schnell mal eine kühle Erfrischung kaufen – Fehlanzeige. Die Farmer in den kleinen Orten müssen also zum Einkaufen schon oft sehr weit fahren. Und wir lernten schnell, dass unser Tagesziel in einer größeren Ortschaft liegen sollte, um die täglichen Vorräte auffrischen zu können.

Campen und Wild-Campen

Wir sind auf Camping eingerichtet und schleppen unsere ganze Ausrüstung mit uns mit. Trotzdem haben wir bisher nur einmal eine geeignete Möglichkeit zum Zelten gefunden.

Überall, wo wir vorbei kamen, war das Land in abgezäunte Farmen aufgeteilt und damit Privatland. Vielleicht ist es möglich, die Farmer zu fragen, ob man in einer Ecke ihres Anwesens das Zelt aufschlagen kann. Gemacht haben wir es jedoch noch nicht.

Die liebe Tierwelt

Hunde sind auch im Süden der USA nicht gerade des Radlers bester Freund. Solange das Tor der Farm geschlossen ist, hat man auch kein Problem mit diesen aufgebrachten Bewohnern. Aber wehe, das Tor ist offen oder ein Loch ist im Zaun. Und wenn dann gleich ein ganzes Rudel auf uns losgegangen ist, wurde mir (Ute) schon sehr mulmig. Fletschende Zähne machen doch etwas Angst und Bange. Eddy’s indische Hupe schreckt amerikanische Hunde schon gut ab. Mit der Trillerpfeife geht es hier allerdings noch erfolgreicher.

Von unseren texanischen Freunden hatten wir erfahren, dass es hier Schlangen und Skorpione gibt. Schlangen haben wir ab und zu gesehen. Eine davon ist sogar um Eddy’s Beine herum auf die andere Straßenseite gehuscht.

Im hohen Gras am Wegesrand hatten wir oft das typische Rasseln von Klapperschlangen gehört und uns gewundert, wie viele es davon geben soll. Beim genaueren Hinsehen erkannten wir allerdings, dass die Geräusche von einem kleinen roten Käfer stammen.

In Oklahoma sind uns oft Schildkröten auf der Straße begegnet. Offenbar lieben sie die feuchte Gegend. Eine davon hat Eddy noch schnell vor dem Überfahren gerettet.

Bisher unbekannte Tiere für uns waren die Gürteltiere. Leider konnten wir sie nur “zweidimensional” auf den Straßen entdecken, von Autos überrollt. Und das alle paar Kilometer. Diese Tiere sind wie unsere Igel nachtaktiv und rollen sich bei Gefahr ein. Keine gute Überlebenstaktik auf Straßen.

Riesige Geier-artige, braune Vögel stürzen sich zuhauf auf die Kadaver, die auf der Fahrbahn liegen, und werden dann oft selbst zum Opfer. Nur gut, dass sie uns nicht ins Visier nehmen…

Pleiten, Pech und Pannen

Unseren ersten Platten hatten wir nach 2 Wochen. Es traf Eddy’s Vorderreifen. Er wurde Opfer einer längeren Fahrt auf dem Highway-Randstreifen, wo einfach so viele Gummi-Reste von kaputten Autoreifen lagen. Denen konnte man nicht immer ausweichen, weil ja gleich daneben ein dichter Autoverkehr vorbei rauschte. 1:0 für Eddy.

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