So relaxt sind wir noch nie irgendwo hingeflogen! Keine Probleme beim Einchecken mit unseren Fahrrädern, kein Stress beim Umsteigen in London, keine Turbulenzen bei den Flügen und sogar kostenloses Highspeed Internet beim Flug von London nach Austin (Texas) 🙂


Wir hatten uns so viele Sorgen gemacht wegen all der neuen Einreisebestimmungen in die USA ab 2026. Nichts davon ist eingetreten. Sowohl was die Beantragung des ESTA betrifft als auch die Einreise selbst, ging alles glatt vonstatten.
Auf dem Flughafen in Austin nahm uns ein sehr freundlicher Beamter in Empfang. Schon bei der ersten Erwähnung, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sein werden, hatten wir sein ehrliches Interesse und Bewunderung auf unserer Seite. Die Formalitäten wie Fingerabdruck und Passkontrolle waren in wenigen Minuten erledigt.
Wenn die Fahrräder im Gepäck sind
Auch diesmal erforderte die Mitnahme der Fahrräder wieder eine größere Vorbereitung. Wir studierten wieder die aktuellen Modalitäten dafür bei den einzelnen Fluggesellschaften, die ja wirklich sehr unterschiedlich sind. Heute können wir sagen, dass British Airways nach wie vor eine sehr Fahrrad-freundliche Fluggesellschaft ist. Das betrifft sowohl die Verpackungsvorschriften als auch die Kosten (British Airways Fahrradmitnahme)
Wir hatten unsere Fahrräder nach den allgemeinen Vorschriften zerlegt ( Lenker, Vorderrad, Pedalen, Luft etc.) , spitze Ecken mit Pappe verstärkt und dann in Stoffbeutel eingewickelt. Diese sind selbst genäht, wetterfest und leicht. Und wir können sie unterwegs gleich als Zeltunterlage oder Sitzdecke benutzen. Es gab keinerlei Beanstandung mit dieser Verpackung. Pro Fahrrad haben wir ein extra Gepäckstück gebucht und 80€ bezahlt. Das ist doch erschwinglich. Und das Wichtigste: am Ende kamen die Fahrräder unbeschadet in Austin an.
Ein bisschen Luxus


Diese Reise wollten wir etwas ruhiger angehen und auf den Stress zum Fahrrad-Zusammenbau direkt am Flughafen verzichten. Deshalb gönnten wir uns ganz in der Nähe erst einmal ein Hotelzimmer. Ein kostenloser Shuttlebus brachte uns und unsere riesigen Gepäckstücke zügig zum Hotel. Ausgeschlafen und ausgeruht lief dann am nächsten Morgen die Montage der Fahrräder und Reorganisation unserer Packtaschen viel entspannter über die Bühne.
Die Reise beginnt
Unser Startpunkt nahe des Flughafens lag im Südosten von Austin. Wir machten einen großen Bogen um das Zentrum der texanischen Hauptstadt und wurden dabei mit einem herrlichen Radweg belohnt. Der Southern Walnut Creek Trail ( SWCT) führte uns Richtung Osten aus der Stadt gleich in die Natur. Glatter Asphalt und angenehm schattig. Wir kamen also schnell voran.

In der Kleinstadt Manor ging es allerdings dann auf normalen Landstraßen weiter. Dies war jedoch keine große Verschlechterung, was die Straßenverhältnisse betrifft. Ob der Verkehr nur wegen des Wochenendes so ruhig war, das werden wir noch herausfinden. Einen kleinen Nachteil gab es jedoch gleich zu spüren. Landstraßen in dieser Gegend sind nicht so reich mit Schatten gesegnet.
Die Temperaturen stiegen bis zum Nachmittag auf etwa 31°C an. Das war noch nicht die eigentliche Belastung, da stets ein leichter, kühler Wind wehte. Die Sonnenstrahlen sind schon im Mai so intensiv, dass wir nach dem ersten Tag verbrannte Stellen an Armen und Beinen bekommen haben. Vielleicht ist es aber auch so extrem, weil die Umstellung vom kalten Deutschland gleich so groß ist?
Eine kleine Erfrischung bescherte uns ein dickes Regenband. Während die Wassermassen sich lautstark aus den Wolken entluden, hatten wir in einem kleinen Schuppen auf einer Farm Schutz gefunden. Doch schon eine Stunde später war der Spuk vorbei, die Sonne kam wieder hervor und im Nu waren die Temperaturen wieder oben.

Unsere ersten Beobachtungen
Texas sieht genau so aus, wie wir uns das Land vorgestellt haben. Hier im Zentrum des US-Staates gibt es ausgedehnte Farmen, so weit das Auge reicht. Alles Getreide auf den Feldern gedeiht gerade prächtig und der Mais sieht kräftig und grün aus. Kühe weiden auf den weitläufigen Wiesen, unter ihnen die mit den breit ausladenden Hörnern. Diese Hörner sind ein Sinnbild für Texas. Die Kaktusblüte startet gerade und erinnert uns daran, dass wir uns noch tief im Süden der USA befinden.



In dieser Gegend sollen sich vor ca. 150 Jahren viele deutsche Siedler niedergelassen haben. Der Farmer, bei dem wir beim Regen Unterschlupf gefunden hatten, war so ein Nachfahre. Er erzählte uns, dass gerade im Nachbardorf ein “Mai-Baum” aufgestellt wird. Die Leute pflegen hier noch ihre alten Traditionen.

Unser erstes Highlight
Wir hatten unseren Startpunkt in Austin ganz bewusst gewählt. Unweit davon lebt ein Teil der Gastfamilie, die unseren Sohn Benno während seines Highschool-Jahres liebevoll aufnahm. Diesen Teil der Familie Kirschner kannten wir noch nicht persönlich. Auf dieser Reise wollten wir es nun nachholen.

Die Stadt Temple liegt etwa 150 km nördlich von Austin. Nach unseren ersten beiden Tagen auf dem Drahtesel kamen wir ziemlich geschafft an und waren froh über den ersten Zwischenstopp. Der Empfang bei Susan, Milton und ihrer Tochter Sarah war überaus herzlich. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell man sich mit Menschen vertraut fühlen kann, auch wenn man sich vorher noch gar nicht kannte. Ein schönes Gefühl. Sie überließen uns das Zimmer, in dem Benno ebenfalls schlief, wenn er hier war.
Wir hatten uns viel zu erzählen, am meisten natürlich über unseren Sohn. Die Kirschner’s hier haben Benno ebenfalls tief in ihr Herz geschlossen und auch für sie ist sein Tod unfassbar. Um so mehr hilft es uns allen, indem wir die vielen tollen Erinnerungen an Benno teilen. Und diese könnten ganze Bücher füllen, würde man sie aufschreiben.


Gemeinsam haben wir hier viel geschwatzt, gelacht, gespielt und die Kirschner’s zeigten uns interessante Dinge aus ihrer Gegend. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, ihnen ein typisch deutsches Essen zuzubereiten. Es gab Haxe mit Sauerkraut und Kartoffeln. Erstaunlicherweise waren die Zutaten hier alle erhältlich.


Und so geht es weiter Richtung Dallas
In den nächsten Tagen werden wir weiter Richtung Dallas nach Norden radeln. Wahrscheinlich geht es dann wieder im Zickzack-Kurs um die perfekt rechteckigen Farmen herum, wie es schon bis Temple der Fall war. Was tut man nicht alles, um den großen Straßen zu entgehen. Wir hoffen, dass auch bald unsere Camping-Ausrüstung zum Einsatz kommen kann und wir sie nicht umsonst durch die Gegend schleppen…



